Käferlive Blog

No news are bad news! In diesem Sinne berichtet das Team von KaeferLive im Blog regelmäßig über Neuerungen, Interessantes und wichtige Nachrichten aus der IT-Szene. Stay tuned!

BSI verabschiedet sich von der Empfehlung zum regelmäßigen Passwortwechsel

Fotolia-Password

Da stehen dem IT-Sicherheitsexperten die Haare zu Berge

BSI verabschiedet sich von der Empfehlung zum regelmäßigen Passwortwechsel

Das BSI erklärt laut WDR2, dass das ständige Ändern von Passwörtern die Sicherheit verschlechtert. Das ist nur die halbe Wahrheit. Man sollte schon mal zwischen 1234, 12345 und 123456 wechseln...

... und im Ernst: Passwörter nie zu ändern, wäre genauso schlecht.

Im aktuellen IT Grundschutzkompendium 2020 des BSI verabschiedet sich das BSI von der bisherigen Empfehlung, Passwörter regelmäßig zu ändern: IT-Systeme oder Anwendungen SOLLTEN NUR mit einem validen Grund zum Wechsel des Passworts auffordern. Reine zeitgesteuerte Wechsel SOLLTEN vermieden werden.

Richtig ist: Das regelmäßige Ändern von Passwörtern in zu kurz bemessenen Zeitabständen (z.B. jedes Quartal) ist tatsächlich kontraproduktiv, denn User neigen dazu, die Passwörter nur geringfügig abzuändern, damit sie sich diese merken können und produzieren damit meist eine gewisse Systematik (Passwort2019, Passwort2020, Passwort 2021 etc.). Oder sie können sich das neue Passwort nicht merken und kleben es per Haftzettel an den Monitor. Am Ende nervt die Pflicht zum ständigen Wechsel und die Akzeptanz von IT-Sicherheit leidet.

Falsch ist: Passwörter muss man nun gar nicht mehr ändern oder kann sie jahrelang benutzen (wenn sie ausreichend lang und komplex sind) bzw. die Passwortlänge von mindestens 8 Zeichen wird nicht mehr explizit gefordert. Auf diese Schlussfolgerung kommen die Medien, wie u.a. der WDR2 in seinem Beitrag am 05.02.2020 im Hörfunk durch eine medientypische Verkürzung der Sachlage.

Wenn es den Verdacht gibt, dass Passwort könnte kompromittiert worden sein, dann muss es sofort geändert werden. Und auch eine Mindestlänge muss es nach wie vor haben. Für Passwörter bis zu 8 Zeichen existieren sogenannte Rainbow-Tabellen mit vorberechneten Hash-Werten. Damit kann man ein verschlüsselt (gehasht) abgelegtes Passwort im Klartext durch Nachschlagen in der Rainbow-Datenbank ermitteln, wenn man einen Hash-Wert (oder gar eine ganze gehashte Passwortliste) erbeutet hat. Und: Mit entsprechender Rechenleistung kann man Passwörter auch systematisch durchprobieren (Brute Force Attacke). Beides funktioniert aber nur mit Passwörtern bis etwa zur Länge von 8 Zeichen. Darüber wird der Rechenaufwand bzw. der benötigte Speicherplatz so groß, dass er i.d.R. nicht mehr handhabbar ist (wächst exponentiell mit Anzahl der möglichen Zeichen und Stellen). Daher bleibt die Empfehlung, Passwörter möglichst lang zu wählen (z.B. größer 10 Zeichen). Das geht ganz einfach mit einem persönlichen Merksatz, von dem man die ersten beiden Zeichen jedes Wortes in Gross-Kleinschreibung incl. Satzzeichen und Ziffernaustausch als Passwort nimmt. Beispiel: „Heute ist ein schöner Tag, um sich ins Freibad zu legen.“ ergibt das sehr sichere Passwort „Heis1scTa,umsiinFrzule.“ (bitte diesen Satz jetzt nicht verwenden…)

Benutzer sollten ihre Passwörter in angemessener Zeit (entsprechend dem persönlichen Schutzbedarf) dennoch ändern, da mit der Zeit die Gefahr steigt, dass ihr Passwort in einer (schlecht gesicherten) geleakten bzw. kompromittierten Passwortdatenbank aufgetaucht ist und damit Einzug in eine Wörterbuchattacke hält oder gezielt in Verbindung mit dem ebenfalls erbeuteten Benutzernamen zu einem konkreten Angriff benutzt wird (Erbeutetes Mail-Passwort des Benutzers wird z.B. in Amazon oder Ebay als Login versucht).

Und es gibt einen weiteren gewichtigen Grund, warum Betreiber von IT-Systemen an einem regelmäßigen Passwortwechsel festhalten sollten. Passwörter werden gerade bei Funktions-Accounts oft von mehreren Personen benutzt bzw. sind den Kollegen bekannt. Scheidet ein Mitarbeiter aus dem Unternehmen aus, so hat er oft mit den alten - nie gewechselten - Passwörtern auch anschließend noch lange Zeit Zugriff auf die Daten und Systeme. Oder man denke an Situationen, wo Passwörter für einen externen Zugang geleakt worden sind, weil ihn mehrere Menschen kennen. So funktionieren dann Zugriffe auf eigentliche geschützte Bereiche dauerhaft mit nicht geänderten Passwörtern. Sollte alles nicht so sein – ist aber in der Praxis oft so.

Die Realität ist also meist etwas komplexer, als in einem 3 min – Beitrag oder ein paar Sätzen erklärbar (und auch als dieser Beitrag beschrieben kann). Man sollte sich dadurch also nicht zu falschen, voreiligen Schlüssen verleiten lassen. Man kann ja „zur Not“ jemanden Fragen, der sich damit auskennt…

Fazit: Passwörter ausreichend lang und komplex wählen, geheim halten und bei Verdacht sofort und ansonsten in angemessenem Zeitraum (z.B. alle 1-2 Jahre) ändern. Bei Funktions-Accounts, die ggf. von mehreren Benutzern genutzt werden (wenn sich das nicht vermeiden lässt) sollte der Zeitraum kürzer sein bzw. der Wechsel muss initiiert werden, wenn ein Benutzer aus der Runde ausscheidet.

Quellen der Berichterstattung u.a.

Heise:

https://www.heise.de/security/meldung/Passwoerter-BSI-verabschiedet-sich-vom-praeventiven-Passwort-Wechsel-4652481.html

WDR:

https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/bsi-it-grundschutz-kompendium-100.html

BSI IT Grundschutz Kompendium 2020

https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/Grundschutz/Kompendium/IT_Grundschutz_Kompendium_Edition2020.html

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Arbeitskreis Digitalisierung in der IHK Aachen - Austausch mit Schülern

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Am 16.12.2019 findet in der IHK Aachen ein Austausch mit rund 30-40 Schülern der allgemein- und berufsbildenden Schulen zum Thema Digitalisierung und den Herausforderungen im späteren Arbeitsleben statt. Das Ganze geht auf eine Initiative des Berufsbildungsausschuss der IHK Aachen und dort des Arbeitskreises Digitalisierung zurück.

Wir wollen herausfinden, wie die Digitalisierung in Schule, Ausbildung und Beruf das Lernen (und Leben) wirklich verbessern kann und wo Schüler, Schulen und Betriebe noch enger zueinanderfinden können. Denn die Anforderungen, die sich in Ausbildung und Studium und später im Arbeitsalltag stellen, sind durch die Digitalisierung nicht weniger geworden - sie haben sich vor allem verändert. Damit knüpfen wir an zwei bereits sehr erfolgreich verlaufene Veranstaltungen zunächst mit den Mitgliedern des Berufsbildungsausschusses und dann mit Lehren der allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen in Form eines "World Cafés" an. Die Ergebnisse des dritten Teils mit den Schülern sollen dann in konkrete Handlungsempfehlungen münden, wie wir die Jugendlichen vielleicht noch ein bisschen besser auf die neue digitale Welt vorbereiten und wie moderne Lern- und Ausbildungsmethoden in Schulen und Betrieb Einzug halten können.

Und so ganz "nebenbei" möchten wir mit den Schülern ins Gespräch kommen, ob und wann eine betriebliche Ausbildung die bessere persönliche Alternative zu einem Studium ist. Denn wie viele andere müssen wir feststellen, dass nach wie vor zu viele Schüler das Studium einer Ausbildung vorziehen (und dann ggf. scheitern), obwohl viele Gründe bei objektiver Betrachtung eher für eine Berufsausbildung sprechen würde. Offenbar gibt es vielfach einen Automatismus, dass die Kinder bevorzugt auf das Gymnasium gehen sollen und dann automatisch studieren. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass in der Gesellschaft - getrieben auch durch eine jahrzehntelange verfehlte politische Orientierung zu immer mehr Hochschulabschlüssen - die duale (betriebliche) Ausbildung in ihrer Wertigkeit immer mehr zurückgedrängt wurde. Sprüche wie „Wenn Du das Abitur nicht schaffst, musst Du eben eine Ausbildung machen.“ sind genauso falsch wie kontraproduktiv wie Entscheidungen der Eltern über die Köpfe der Kinder hinweg à la „Der Junge wird Jurist!“. Die betriebliche Ausbildung und die daraus entstehenden Fachkräfte sind eine ebenso wichtige Stütze unserer Wirtschaft und Gesellschaft wie die Ausbildung an FH’s und TH’s. Und die Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten sind vielfach mindestens genauso gut.

Es wird Zeit, dass wir - so wie mittlerweile auch die Bunderegierung - die duale Ausbildung (um die uns das Ausland übrigens beneidet) wieder im Ansehen und Wertigkeit einem Studium gleich stellen und den Schülern echte Alternativen und Auswahlmöglichkeiten für das künftige Berufsleben vorstellen.

Ich freue mich auf den Austausch. Und übrigens: So bringt Ehrenamt allen etwas.

Thomas Käfer

 

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Seminar Cyber Security von Anlagen und Maschinen

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In Kooperation mit der weyer Gruppe Düren veranstalten wir am Do, 30.01.2020, 09:00 (CET) bis Do, 30.01.2020, 17:00 (CET) im AMERON Hotel Regent Köln eine offene Schulung zum Thema Cyber Security von Anlagen und Maschinen. IT-Forensiker Thomas Käfer und CE-Experte im Bereich Maschinenrichtlinie Manfred Schulte informieren Sie über Gefahren durch Cyber Angriffe auf Ihre Anlage und beraten Sie zu Schutzstrategien.

Anmeldeschluss: Do, 23.01.2020 (CET) Kosten € 690,00
 
 
oder https://www.weyer-gruppe.com/seminare/
 
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Backup first!

Backup first!

Aus eigener leidvoller und aktueller Erfahrung kann ich nur raten: Backups machen!

Aus der Idee „mal schnell die Website aktualisieren“ wurde ein Mega-Desaster. Zunächst verschwand nur ein Menü. Dann noch eins. Und dann war auf einmal die ganze Website zerschossen. Guter Rat teuer!

Okay. Irgendwann kommt man an den Punkt, dass ein Weitersuchen nach der Ursache keinen Quick-Win bringt. Also einfach ein Backup einspielen. Upps, wie war das noch? Das Backup für das man gerade keine Zeit hat, ist das, welches man am dringendsten braucht. Und so war es dann auch bei mir. Ein vollständiges aktuelles Backup hatte ich vor den Änderungen nicht gemacht. Zum Glück gab es da noch ein paar Fall-Back-Szenarien. U.a. beim Provider lagen noch automatische Sicherungen vom Vortag (die ich erst einmal nicht auf dem Schirm gehabt hatte). Und dann stolperte ich sogar noch über eine interne Backup-Funktion, die mir immerhin ein einen Monat altes Backup offerierte. Glück gehabt. Und obendrein fand ich dann auch die Ursache des eigentlichen Fehlers. ein veraltetes Plug-In, welches nicht in den automatischen Updates enthalten war und mir die Menüleiste zerschossen hatte. Also alles wieder gut. Sorgfältige Analyse und ein wenig Fachkompetenz haben mich dann gerettet. Und das Backup.

Wann haben Sie Ihr Backup zum letzten Mal gemacht und kontrolliert?

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Neuer Online Shop von Plum's Kaffee online

Neuer Online Shop von Plum's Kaffee online

Deutschlands älteste Kaffeerösterei hat einen neuen Online-Shop. Dank KaeferLive.

Die Abkündigung von PHP 5.X hat es ausgelöst und gemeinsam mit dem Team von Plum's Kaffee haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und nicht nur die technische Basis erneuert, sondern gleich auch noch den Shop gestalterisch und inhaltlich auf den neuesten Stand gebracht. Und das Sahnehäubchen on top: Die Administration ist einfacher und die Kosten für die Pfege des Shops sind deutlich gesunken. Win-Win.

Ab was erzählen wir? Machen Sie sich selbst ein Bild und probieren Sie eine Tasse exzellenten Kaffee!

https://www.plumskaffee.de

 

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Goodbye Deutschland

Goodbye Deutschland

Time to say "Goodbye". Aktuell für die einstmals weltweit größte und bedeutendste Computermesse CeBIT. Diese wird nach einem offenbar katastrophalen Ergebnis in 2018 nun ganz eingestellt (Rückgang der Besucherzahlen von ca. 200.000 Besucher p.a. in den Jahren 2014-2017 auf 120.000 in 2018). Was aber auch eine saublöde Management-Entscheidung, die Messe von ihrem angestammten Platz im März auf den Juni zu verlegen. Wie habe ich im Sommer getitelt? "Stell Dir vor, es ist CeBIT und keiner hat es gemerkt." Klar gab es rückläufige Besucherzahlen. Die Digitalisierung ist auch bei den Messen angekommen und manche Information bekomme ich schneller, besser und billiger im Internet als im persönlichen Besuch einer Messe. Aber das Familientreffen in Hannover wird der Branche fehlen. Und ein wichtiges Signal geht von dem Verzicht auf die einzige weltweit relevanten IT-Messe auf deutschem Boden aus: Wir verlieren den Anschluss und landen in der digitalen Bedeutungslosigkeit. Hauptsache, wir klicken auf jeder Website diese dämlichen Cookie-Hinweise ab! Wo wollen wir unsere Ideen für die digitale Zukunft präsentieren, wenn nicht in Hannover auf der CeBIT? Aber RIP! CeBIT, Du liegst in bester Gesellschaft direkt neben dem Breitbandausbau ("Wir brauchen kein 5G an jeder Milchkanne..." Sechs. Setzen Bildungsministerin.) und der Sau "Digitalisierung", die von vielen Unwissenden durchs Dorf zu Tode getrieben worden ist (Laber, laber, laber, aber wie der Blinde von der Farbe reden).

Wie wäre es, mal Leute zu fragen, die sich damit auskennen? Ok, Gelbe Seiten sind auch Old-School, aber es gibt ja zum Glück die amerikanische Suchmaschine Google…

Mann, bin ich sauer.

 

 

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Digital Signage: Wie gelingt der Brückenschlag zwischen Ladenlokal und Online-Shop?

Digital Signage: Wie gelingt der Brückenschlag zwischen Ladenlokal und Online-Shop?
Wie gelingt der Brückenschlag zwischen Ladenlokal und Online-Shop?
 
Das Internet hat viele Vorzüge und ist aus unserer heutigen Welt nicht mehr wegzudenken. "Information at your fingertipps" ist nur ein Synonym für das Verhalten der Konsumenten. Mit ein paar Klicks erhält man Infos, Bilder und Videos zu einem Produkt, mit ein paar Eingaben mehr ist es gekauft und wird ein paar Tage später vom Paketdienst nach Hause geliefert.
 
... wir hätten da eine Lösung ...
 
In einer hochwertigen Vitrine stellen Sie Ihre wertvollen und erklärungsbedürftigen Produkte aus. Mittels homogener LED-Beleuchtung werden Ihre Produkte ins rechte Licht gesetzt. Aber jetzt der Clou: Die Frontscheibe ist ein berührungsempfindliches fast 100% durchsichtiges Touchdisplay, über das Sie passend zu Ihren Produkten Videos abspielen oder beliebigen redaktionell aufbereiteten Content anzeigen lassen können.
 
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Kommt nach der Datenschutz-Grundverordnung bald auch eine Datensicherheits-Grundverordnung?

Kommt nach der Datenschutz-Grundverordnung bald auch eine Datensicherheits-Grundverordnung?

Kommt nach der Datenschutz-Grundverordnung bald auch eine Datensicherheits-Grundverordnung?

Am 25.05.2018 tritt die EU-Datenschutz-Grundverordnung in Kraft und verpflichtet alle Akteure, die Dienstleistungen und Waren in der Europäischen Union anbieten und letztlich personenbezogene Daten erheben, speichern und/oder verarbeiten zu einem sorgsamen Umgang mit selbigen. Und das gilt damit erstmalig auch für Institutionen, die außerhalb der EU ansässig sind, aber in der EU tätig werden. Und wer sich nicht an die Regeln hält, dem drohen saftige Bußgelder bis zu 20 Mio. Euro oder 4% des Gesamtumsatzes eines Jahres des kompletten Konzerns, je nachdem was höher ausfällt.

Und was wird geschützt? Personenbezogene Daten natürlicher lebender Personen, also z.B. Adressen, Geburtsdaten bis hin zu besonders schützenswerten Gesundheitsdaten oder Informationen über Rasse, Religion, politischer Einstellung usw..

Schön. War längst überfällig und eigentlich selbstverständlich. In Deutschland haben wir uns darum dank BDSG schon seit Jahrzehnten kümmern müssen. Jetzt trifft es auch die Mitbewerber im Ausland.

Aber ist Datenschutz wirklich so wichtig oder gibt es vielleicht etwas, das noch viel wichtiger ist?

Richtig. Wie sieht es denn mit dem Recht auf Datensicherheit aus? Viele leiten aus dem Begriff „Datenschutz“ einen allumfassenden Schutz ihrer Daten ab. Schön wär’s.

In den Datenschutznormen ist zwar auch die Einhaltung von grundlegenden IT-Sicherheitsregeln vorgeschrieben, aber in dem Moment, wo keine personenbezogenen Daten direkt betroffen sind, ist die Missachtung von IT-Sicherheit in Produkten und Dienstleistungen praktisch vollkommen sanktioniert.

Unser nationales IT-Sicherheitsgesetz suggeriert, dass IT-Sicherheit per Gesetz geregelt wäre, aber das betrifft nur kritische Infrastrukturen (wie beispielsweise etwa Strom- und Wasserversorger) und eben nicht das 08/15 IT-Produkt oder Programm für Lieschen Müller.

Wenn dann Daten auf einmal weg sind oder IT-Systeme kompromittiert worden sind, ist das Geheule groß. Jemanden dafür haftbar zu machen, ist in der Praxis äußerst schwierig. Und auch wenn man (noch ohne Schaden) eine IT-Sicherheitslücke entdeckt (die es zuhauf gibt), bleibt das für den Verursacher / Anbieter ebenfalls meist folgenlos. Selbst wenn er die Lücke nicht schließt, bekommt man ihn nicht so einfach zu fassen.

Wäre es angesichts zunehmender Digitalisierung und Durchdringung der IT in allen Lebensbereichen nicht dringend notwendig, auch die Implementierung von IT-Sicherheit nach einem aktuellen Stand der Technik in jedem Produkt zu fordern und dessen Fehlen bzw. Mangelhaftigkeit zu pönalisieren? Was ist, wenn die Produktion eines Unternehmens aufgrund eines eigentlich abwehrbaren IT-Vorfalls ausfällt? Was ist, wenn ein voll-automatisiert fahrendes vernetzets Fahrzeug mit 130 km/h gegen die Wand fährt, weil es eine Sicherheitslücke gab, die ein Hacker zum Spaß ausgenutzt hat? Was ist, wenn das Haus abbrennt, weil der internetfähige Toaster durch Schadcode überlastet wurde?

Einen Teil davon kann man über Versicherungen abfedern. Aber es bleiben erhebliche Risiken für Vermögen, Leib und Leben, denn wir reden nicht mehr allein von Daten oder Geld, die weg sind. Im Internet der Dinge reden wir von echten Bedrohungen durch mangelhafte IT-Sicherheit.

Bei aller digitaler Aufbruchsstimmung lohnt es sich daher, auch über IT-Sicherheit zur Not über eine Verordnung und einen gesetzlichen Anspruch nachzudenken. Alles andere wäre fahrlässig und kurzsichtig.

Und für die Gerichte wäre es durchaus sinnvoll, wenn mangelhafte oder fehlende IT-Sicherheit als Produktmangel definiert würde. Das würde den Druck auf die Anbieter erhöhen, ihren Job in Punkto IT-Sicherheit besser zu machen, als das jetzt der Fall ist. Denn eine mal schnell hin gerotzte App mit Sicherheitslücken ist weder digitale Transformation noch ein Leuchtturmprojekt, sondern eine Sackgasse.

Viele Entwickler und Anbieter empfinden IT-Sicherheit als hinderlich und kostspielig. Der Verzicht darauf wird noch kostspieliger und letztlich erhöht die Berücksichtigung von IT-Sicherheit bereits beim Produktdesign auch die Produktqualität.

Jetzt müsste nur jemand den Gedanken mal aufgreifen und weiter diskutieren…

P.S. Und bis es eine Verordnung gibt, könnten wir ja schon einmal anfangen, freiwillig konsequent IT-Sicherheit in unsere Produkte und Dienstleistungen einzubauen.

 

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Car-Forensics beim ScienceLink: Networking 4.0 "Datensicherheit bei autonomem Fahren" am 19.03.2018 in Aachen

Car-Forensics beim ScienceLink: Networking 4.0 "Datensicherheit bei autonomem Fahren" am 19.03.2018 in Aachen

ScienceLink: Networking 4.0 "Datensicherheit bei autonomem Fahren"

Eine Herausforderung für die moderne Mobilität

Am 19. März ist es wieder soweit: „Networking 4.0 – Vorsprung durch Kooperation!“, die etwas andere Netzwerk-Veranstaltung des Projekts ScienceLink geht in die nächste Runde. Unter dem Fokus "Datensicherheit bei autonomem Fahren – Herausforderung für moderne Mobilität“ steht auch an diesem Abend wieder der Anwendungsbezug der vorgestellten Themen im Vordergrund.

Wir möchten Ihnen zeigen, wie weit die moderne Mobilität von Daten abhängt und wie diese geschützt werden. Sechs Unternehmen und Institute haben an diesem Abend Zeit, Sie von ihrem Dienstleistungs- und Kooperationsangebot zu überzeugen. Ist etwas Passendes für Sie und Ihr Unternehmen dabei, haben Sie danach die Gelegenheit persönlich mit den Vortragenden in Kontakt zu treten und sich über mögliche Ideen und Projekte auszutauschen.

Lernen Sie die vielfältigen Möglichkeiten der Zusammenarbeit kennen und entdecken Sie bestehende Angebote, die Ihr Unternehmen im Wettbewerb unterstützen können:

Montag, 19.03.2018, 17-19 Uhr, im Mercure Hotel Aachen Europaplatz, Joseph-von-Goerres-Strasse 21, 52068 Aachen

Abseits der reinen Theorie stehen Ihnen an diesem Abend Vertreter von Hochschulen und Unternehmen Rede und Antwort. In Form von kurzen „Pitches“ präsentieren die Anwesenden sich, ihren Forschungsbereich und ihr Angebot, bevor es in Networking-Atmosphäre in den direkten Dialog geht. Hier besteht die Möglichkeit sich persönlich über mögliche Kooperationspotenziale, Projektideen und Forschungsthemen auszutauschen.

Wir freuen uns auf spannende Einblicke von

  • Dr.-Ing. Adrian Zlocki, Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH
  • Prof. Dr. Marko Schuba, Datennetze, IT-Sicherheit und IT-Forensik der FH Aachen
  • Dipl.-Ing. Thomas Käfer, M.Sc., Käfer IT Systeme e.K.
  • Thorsten Grötker, Utimaco GmbH

Nutzen Sie die Möglichkeit der direkten und persönlichen Kontaktaufnahme, erfahren Sie mehr
über die Kooperationsmöglichkeiten mit den Vortragenden und finden Sie den richtigen Partner
für Ihr Unternehmen. Das detaillierte Programm wird noch zur Verfügung gestellt.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und einen kooperativen Austausch.

Anmeldungen zur kostenfreien Veranstaltung sind per E-Mail an  möglich.

 

Details: http://www.agit.de/de/veranstaltungen/details/news/news/detail/sciencelink-networking-40-datensicherheit-bei-autonomem-fahren.html

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Digitalisierung – oder: die Sau 4.0, die durchs Dorf getrieben wird.

Digitalisierung – oder: die Sau 4.0, die durchs Dorf getrieben wird.

Digitalisierung – oder: die Sau 4.0, die durchs Dorf getrieben wird.

Ich wurde von der Redaktion der Wirtschaftlichen Nachrichten der IHK Aachen gebeten, meine Meinung und Einschätzung zum Thema "Digitaliserung" abzugeben. Dabei sollte ich die Contra-Position übernehmen und die Risiken und Flasstricke kritisch herausarbeiten. Das passte zu meiner Grundeinstellung und so ergab sich ein "Battle" mit Stefan Fritz (Synaix/Cancom), der die Pro-Position einnahm. Wobei... ein Battle war es eigentlich nicht, denn unsere Positionen liegen so weit nun auch wieder nicht auseinander.

Aber lesen Sie selbst in der März Ausgabe der Wirtschaftlichen Nachrichten:

https://www.aachen.ihk.de/blob/acihk24/servicemarken/downloads/4001118/fc93e7578eb9447338eaec9332bb2ab6/wn_03_2018-data.pdf

Meine Position dazu:

Ehrlich gesagt kann ich die Diskussion um die Digitalisierung bald nicht mehr hören. Da reden so viele sprichwörtlich wie der Blinde von der Farbe und manchmal ist noch nicht mal klar, auf welcher Flughöhe man bei der Betrachtung des Themas ist. Wenn Politiker vom Breitbandausbau reden und damit die Digitalisierung meinen, ist das allenfalls eine Grundvoraussetzung. Manche sehen aber auch die IT selber als Werkzeug. Andere verstehen darunter digitale Geschäftsmodelle.


Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, was mit dem Hype gemeint ist. Faktisch heißt es, irgendwas mit Computern zu machen, was man vorher manuell erledigt hat. Also im Endeffekt das, was die meisten IT-Fachleute schon seit 20-30 Jahren machen – ich eingeschlossen. Das Neue daran ist, dass nun auch die Digital Immigrants das Thema für sich entdeckt haben. Gleichzeitig wird in allen Bereichen so viel Druck aufgebaut, dass jeder das Gefühl bekommt, etwas zu verpassen bzw. spät dran zu sein. Digitalisierung ist kein Zeitpunkt, sondern ein Prozess, der entwickelt und gut überlegt sein will.


Manche wähnen sich schon weit vorn, wenn sie eine App haben, die jetzt etwas mit fraglichem Nutzen aufs Handy bringt, was man vorher noch Face-to-Face geklärt hat. Da wird oft eine halbgare Funktionalität für kleines Geld vom Start-Up codiert und als leuchtendes Beispiel für die Digitalisierung von Geschäftsmodellen gepriesen. Wie viele Super-Ideen, wie den Wetterbericht auf den Morgentoast zu brennen, sind auch nach 2-3 Jahren am Markt oder haben gar Geld eingebracht?


Wenn man als IT-Sicherheitsexperte so ein Vorzeigeprojekt durchleuchtet, sieht es mit dem Thema IT-Sicherheit, Datenschutz oder generell der Code-Qualität oft bescheiden aus. Das betrifft den kleinen Online-Shop genauso wie Autokonzerne, Mittelständler und namhafte Organisationen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass handwerkliche Laien am Werk waren, der Kostendruck zu groß war oder schlichtweg IT-Security und Privacy als hinderlich empfunden werden. Also weg damit!?


Auf der CeBIT 2015 wurde ein Start-Up mit einem Innovationspreis für die Entwicklung einer Forstwirtschafts-App ausgezeichnet und beklatscht. Die Vermessung von geschlagenem Holz im Wald kann jetzt statt mit einer manuellen Aufnahme durch einen Waldarbeiter in einer Stunde mit einer App in 5 Minuten erledigt werden. Hoffentlich hat der Waldarbeiter noch genug andere Dinge zu tun, wenn man ihn als Opfer der Digitalisierung nicht zum App-Programmierer umschulen kann. Das wird also Arbeitsplätze kosten, was okay ist, denn wir steuern ohnehin auf einen Fachkräftemangel zu. Dumm, dass ausgerechnet die hochqualifizierten Jobs gerade nicht durch Apps ersetzt werden können.


Veränderung ist Leben. Also ist auch die Digitalisierung nichts Schlechtes. Aussitzen wäre eine blöde Idee, denn das kann fast jedem etablierten Unternehmen den Kopf kosten. Aber jetzt Hals über Kopf zu versuchen, noch auf den angeblich davon eilenden Zug zu springen, kann nur schief gehen. Sorgfalt und ein tragfähiges Konzept sind die Basis für die Überführung von Prozessen mit einem hohen manuellen Anteil in automatisierte IT-Lösungen.


Dem gegenüber stehen die mehr als rasanten Zuwächse sowohl hinsichtlich der Rechenleistung als auch der Speicher- und Übertragungskapazitäten. Ein moderner PKW hat rund 100 Mio. Zeilen Code – vergleichbar mit der Komplexität der DNA einer Feldmaus. Wofür die Natur hunderttausende Jahre benötigt hat, versuchen wir nun innerhalb von wenigen Jahren zu überblicken und zu beherrschen. Irgendwann sind wir Menschen dann der limitierende Faktor. Ging es bei einem Incident bisher nur um Daten und Geld, geht es bei 1,5 to bewegter Masse mit 130 km/h vollautomatisiert vom Computer gesteuert auch um Menschenleben. Und wenn wir kein Verbrennerauto mehr besitzen, sondern von einer free-floating Car-Sharing-Flotte mit E-Antrieb umhergegondelt werden, dann könnten wir am Ast gesägt haben, auf dem wir alle sitzen.


Das Tempo der Entwicklung in der IT können wir oft jetzt schon nicht mehr mitgehen und aus Mut zur Lücke wird bald gefährliches Halbwissen. Schlecht, wenn die Maschinen das dann dank KI erkennen und uns aus der Gleichung ausbauen...


Als ich in der Oberstufe etwas mit Computern machte, galt ich als Freak. Heute ist man ein Freak, wenn man in dem Alter nichts mit IT macht – respektive kein Smartphone hat. Der feine Unterschied: Wir haben die Materie damals durchdrungen, denn es gab keine Apps, die man mal einfach aus dem Internet heruntergeladen hat, sondern wir mussten uns selber Programme schreiben. Das ist mehr als ein Smartphone bedienen zu können.


Ich würde mir mehr Sorgfalt, Qualität, echten Mehrwert und Nutzen statt des einen oder anderen Schnellschusses wünschen. Am Ende kommt vielleicht die Erkenntnis, mal etwas nicht mit IT umzusetzen. Das verhindert nicht, dass es der ein andere doch macht. Also doch lachend in die Kreissäge und wenigstens am Untergang noch mitverdienen? Ein klassisches Dilemma.

About:
Dipl.-Ing. Thomas Käfer, M.Sc. ist u.a. mit seinem IT-Systemhaus Käfer IT Systeme e.K. seit 1990 selbstständig in der IT tätig. Neben dem Fokus auf IT-Projekte und -Lösungen beschäftigt er sich als ö.b.u.v. Sachverständiger mit Fragen der IT-Sicherheit, dem Datenschutz und dem Gebiet der Digitalen Forensik.

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